Doctor Who – Der Beginners Guide ⎮ Serienrezension

Wenn man mich fragen würde, was mich im letzen Vierteljahr am meisten beschäftigt hat, dann wäre meine Antwort wohl Doctor Who. Diese Serie hat mich auf sehr viele verschiedene Arten komplett begeistert und ich beschäftige mich immer noch regelmäßig damit. Was das genauer heißt und wie die Serie aufgebaut ist bzw. wo man als kompletter Neuling anfangen sollte, will ich euch hier versuchen zu erklären.

(Ich spreche hier im Übrigen ausschließlich von dem 2005er Reboot und nicht von der Classic Serie.)

Info:

  • Genre: Science Fiction
  • Produktionsland: Großbritannien
  • läuft seit: 1963-1989, seit 2005
  • Episoden: (Neue Serie) 165+ Folgen in 12 Staffeln, 17 Specials
  • wo streamen: Staffel 1-11 auf Joyn, oder Staffel 1-12 zu kaufen auf Amazon Prime

Um was gehts?

Dreh- und Angelpunkt der Serie ist eine Figur namens der Doctor, die ein Timelord vom Planeten Gallifrey ist und durch Raum und Zeit reist. Als Transportmittel dient dabei die Tardis, ein Raumschiff, das die äußere Form einer Polizeibox aus den Sechzigern hat.

Rechts im Bild: Michelle Gomez und Jenna Coleman (Quelle: bbc.co.uk.)

Fast immer reist der Doctor mit sogenannten Companions, also Begleitern, die er durch Zufall kennenlernt. Gemeinsam reisen sie zu fernen Planeten, dem Ende der Welt oder ins alte Rom. Nicht selten muss auch die Erde vor Invasionen geschützt werden.

Das besondere am Doctor ist, neben vielen anderen Dingen, dass er bei starken Verletzungen regenerieren kann und dadurch einen neuen Körper mit neuer Persönlichkeit erhält. So ist es auch möglich, dass schon eine ganze Reihe an Schauspielern die Figur verkörpert haben. Und in der aktuellen dreizehnten Inkarnation ist der Doctor mit Jodie Whittaker zum ersten mal eine Frau.

Die fünf bisherigen Doktoren seit 2005: (v.l.) Christopher Eccleston, David Tennant, Matt Smith, Peter Capaldi und Jodie Whittaker

Über die Jahre gibt es auch einige Figuren, die immer wieder auftauchen, wie die Daleks, die Erzfeinde des Doctors oder der Master, ein anderer Timelord, der ebenfalls regenerieren kann.

Da eine Episode (der Serie) sich wortwörtlich überall in Raum und Zeit abspielen kann, entstehen sehr unterschiedliche Episoden, die ein breites Spektrum an Genres abdecken. Natürlich ist es immer noch eine Science Fiction Serie und demnach spielen viele Episoden auf fernen Planeten und beinhalten Aliens. Oft invadieren die Aliens auch die Erde. Aber es gibt auch nicht wenige historische Folgen, in denen wir oft eine prominente Person oder Ereignis verfolgen. Und auch einige ziemlich gruselige Folgen gibt es. Oh und natürlich hat Doctor Who einen großartigen Humor, der sich mehr oder weniger über die ganze Serie zieht.

Wann, wie, wer?

Bevor ich die Serie gesehen habe, wusste ich zuerst nicht, wo ich anfangen sollte und ich kann mir vorstellen, dass das noch anderen so geht, deshalb möchte ich hier kurz erklären, wie die Serie aufgebaut ist.

Die erste Folge Doctor Who wurde 1963 erstmals ausgestrahlt. Die Show lief bis ins Jahr 1989, wo sie abgesetzt wurde. Bis dahin gab es 26 Staffeln und sieben verschiedene Inkarnationen des Doctors. 1996 wurde ein Kinofilm veröffentlicht, in dem der achte Doctor seinen einzigen (großen) Auftritt hatte. Und seit 2005 gibt es ein Reboot der Serie, das zwar eine Fortsetzung ist, jedoch muss man weder die alte Serie noch den Film gesehen haben, um sich zurechtzufinden.

Die erste Folge der ersten Staffel des Reboots ist Rose und damit habe auch ich angefangen. Das ist der Start, den ich jedem empfehlen würde. Man darf sich nicht von den dürftigen CGI-Effekten unterkriegen lassen (sie werden von Staffel zu Staffel besser). Christopher Eccleston macht einen großartigen Job als der Doctor. Und obwohl er leider nur für eine Staffel bleibt, ist es eine großartige Einführung in die Serie.

Im Bild: Christopher Eccleston (Quelle: bbc.co.uk.)

Ein alternativer Start, der auch problemlos funktioniert ist die erste Folge der fünften Staffel mit dem Namen The Eleventh Hour (im Deutschen Fünf vor Zwölf). Das ist die erste Folge von Matt Smith als Doctor und gleichzeitig von Steven Moffat als Showrunner. Der gesamte Look der Serie ändert sich ab hier.

Und wer, warum auch immer, noch später anfangen möchte, für den könnte die erste Folge der zehnten Staffel namens The Pilot (Flucht durchs Universum) mit Peter Capaldi als Doctor der ideale Startpunkt sein.

Im Bild: Peter Capaldi und Pearl Mackie (Quelle: bbc.co.uk.)

Sprechen wir nun noch kurz über den Aufbau der Serie, bevor wir uns meiner Meinung widmen.

Christopher Eccleston war 2005 der erste Doctor, wie gesagt blieb er aber nur für eine Staffel. Sein Nachfolger war David Tennant, der drei Staffeln und einige Specials lang den Doctor verkörperte. Nach David Tennant gab es mit Matt Smith nicht nur einen neuen Doctor; Steven Moffat löste auch Russel T Davies als Showrunner und Mainwriter ab. Matt Smith blieb für drei Staffeln, genau wie sein Nachfolger Peter Capaldi.

2017 gab es erneut einen Showrunner-Wechsel und seit der elften Staffel ist Jodie Whittaker der Doctor und Chris Chibnall Showrunner. Diese Ära ist besonders umstritten. Im Oktober 2021 erscheint voraussichtlich die dreizehnte Staffel.

Wie wars?

An diesem Punkt ist es wahrscheinlich offensichtlich, dass ich Doctor Who sehr gerne mag. Aber was ist so toll an der Serie, dass sie mich so fasziniert?

Dazu sollte ich vielleicht erst einmal erzählen, wie ich auf die Serie gekommen bin. Jedenfalls bin ich in einigen anderen Fandoms aktiv und hatte natürlich schon einmal von Doctor Who gehört. Außerdem habe ich David Tennant in zwei anderen Rollen gesehen und finde ihn absolut fantastisch. Deshalb war ich neugierig auf seine bekannteste Rolle als der zehnte Doctor. Und so hat mich die Serie gecatcht.

Im Bild: Freema Agyeman, David Tennant und John Barrowman (Quelle: bbc.co.uk.)

Bewundernswert ist natürlich die lange Geschichte der Serie, die ich oben schon kurz angeschnitten habe. Über die Jahre haben schon eine Vielzahl an Menschen an Doctor Who gearbeitet und viele Writer daran geschrieben. Wodurch die Show wiederum so abwechslungsreich ist und sich quasi alle paar Jahre neu erfindet. So lässt sich die neue Serie zum Beispiel in die Russel T Davies- die Moffatt- und die aktuell laufende Chibnall-Ära einteilen. Alle drei haben einen unterschiedlichen Look und ein komplett anderes Feeling.

Serien in der Länge von Doctor Who zeichnen sich meistens entweder durch Plot oder Charaktere aus. Und da Doctor Who eben keine fortlaufende Story hat (von Doppelfolgen und Arcs innerhalb einer Staffel abgesehen), sind es die Charaktere, die uns ans Herz wachsen. Und das obwohl die meisten Companions nicht länger als zwei Staffeln dabei sind. Aber in der Zeit lernen wir (die meisten) sehr gut kennen und lieben. Und ich glaube, es ist kein Spoiler wenn ich sage, dass viele ein mehr als tragisches Ende haben. Ich würde sogar sagen, dass es bei Doctor Who im Endeffekt um diese Charaktere geht, und um ihre Geschichten.

Aber natürlich geht es vor allem um eine Geschichte und zwar um die des Doctors. Denn die ist es, die die Serie erzählt. Das Tolle ist, dass der Doctor durch die verschiedenen Inkarnationen und lange Lebenszeit ein unfassbar komplexer Charakter ist, der zwar von unterschiedlichen Schauspieler*innen dargestellt wird, aber trotzdem dieselbe Figur bleibt. Unter dem Witz des Doctors verbirgt sich der Schmerz von Verlust und falschen Entscheidungen und eine stetige Einsamkeit. Trotzdem kann der Charakter immer wieder eine Entwicklung erleben, wie es bei der zwölften Inkarnation (gespielt von Peter Capaldi) der Fall ist, die vom fast schon bitteren, alten Mann zum weisen und freundlichen Altrocker führt. Diese Entwicklung wiederum ist nur möglich durch die vielen Freunde, die der Doctor hat.

Im Bild: Peter Capaldi (Quelle: bbc.co.uk.)

Mir gefallen also die Charaktere und deren Entwicklung gut, aber was noch?

Was ich ein paar Absätze weiter oben über Story Arcs gesagt habe stimmt so nicht ganz. Besonders in der Moffatt-Ära gibt es einige verdammt gute Plot Twists, die sich über Staffeln hinweg anbahnen und in fast jeder Staffel gibt es eine sich anbahnenden und im Finale gipfelnde story line. Es passiert auch ab und zu, dass alte Bekannte nach vielen Staffeln wiederkommen, wie Captain Jack oder natürlich der Master. Und Bösewichte wie die Daleks oder Cybermen lernen wir durch ihre zahlreichen Auftritte in mehreren Facetten kennen.

Und natürlich ist die große Vielfältigkeit der Serie auch ein Grund für mich, sie so sehr zu mögen. Es gibt zum Beispiel einige fantastische Episoden mit Horrorelementen oder typischem Gruselfilmsetting. Und wir lernen auch historische Personen kennen wie Rosa Parks (“Rosa”, Staffel 11) oder Vincent van Gogh in der fantastischen Folge “Vincent and the Doctor” (Staffel 5).

Im Bild: Karen Gillan, Matt Smith und Tony Curran (Quelle: bbc.co.uk.)

Nicht vergessen werden darf übrigens auch der Soundtrack. Abgesehen vom immer etwas variierenden Doctor Who Theme gibt es wirklich großartige Stücke wie I am the Doctor, Doomsday oder The Long Song.

Fazit:

Doctor Who beinhaltet fantastische Charaktere mit Tiefe und Entwicklung, die ans Herz wachsen. Es ist toll, immer mehr Einzelheiten über die Hintergrundgeschichte in- und außerhalb des Universums zu erfahren und manche Handlungen vielleicht erst beim zweiten mal Schauen zu verstehen. Nicht alle Episoden sind Meisterwerke, aber alle sind es wert, diskutiert zu werden. Doctor Who bietet Spannung, Action, Spaß, Grusel, ist aber zum Teil philosophisch und hochtragisch.

Vor allem aber ist Doctor Who eine Serie, zu der ich immer wieder zurückkehren kann und in der es für jede Stimmung die passende Episode gibt. Sie hat einfach so viele Facetten und kann von ganz unterschiedlichen Seiten aus betrachtet werden. Gerade in Deutschland wäre es toll, wenn sie noch einem breiteren Publikum bekannt werden würde.

Was ist deine Meinung zu Doctor Who? Hast du die Serie schon gesehen, oder hast du jetzt Lust dazu bekommen?

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