Ich fühle was, was du nicht fühlst – Amelie Fried

Infos:

  • Seiten: 400
  • erschienen: 2018
  • Verlag: HEYNE
  • Originalsprache: deutsch

Inhalt:

Die Geschichte spielt Mitte der Siebziger in einer Stadt in Süddeutschland. Die Elternder 13-jährigen India, sie Hippie, er Künstler, haben nur eine Erziehungsregel und die lautet: lass den Kindern Freiheit, dann werden sie sich schon richtig entwickeln. Das heißt aber auch, dass sie sich nicht wirklich für India und ihren großen Bruder Che interessieren oder sich um sie kümmern.

Che sehnt sich nach einer Autorität und driftet immer mehr in wirklich ungute Kreise ab und entfernt sich so auch weiter von India. Diese ist hochbegabt und deshalb von der Schule gelangweilt. Aber um nicht immer “die Komische” zu sein, versucht sie sich, vergeblich, anzupassen.

India bewundert die Mutter ihrer besten Freundin Bettina, eine für damals typische Hausfrau und übersieht dabei, dass auch sie keineswegs glücklich ist.

Bettinas Vater Christian bietet India Klavierunterricht an, woraufhin sie ihre Leidenschaft und ihr Talent für Musik entdeckt. Wenn sie Klavier spielt, kann sie ihre vielen Probleme für kurze Zeit vergessen.

Ihre Eltern stecken inzwischen mitten in einer Ehekrise und Che braucht definitiv Hilfe.

Und dann verstört Christian seine Bindung zu India in einem einzigen grausamen Moment. India ist am Boden zerstört und weiß nicht, ob sie jemandem davon erzählen soll. Was aber noch viel schlimmer ist: würde ihr jemand glauben?

Meine Meinung:

Das Buch klang nach einem ganz schönen Coming-of-Age Roman und ich fand das Setting und die Zeit sehr spannend. Tatsächlich spricht dieses Buch sehr viele wichtige Thematiken an und ist nicht einfach für zwischendurch ohne danach noch darüber nachzudenken.

Da sind wir schon beim nächsten Punkt. Viele Thematiken. Meiner Meinung nach zu viele, um auf eine wirklich nachhaltig einzugehen. Das Thema sexuelle Belästigung, von dem ich dachte, dass es vordergründig in diesem Buch behandelt wird, kommt erst relativ spät (und in anderer Form auch am Anfang) dazu.

Als eine Person, die weit nach diesem Jahrzehnt geboren ist, war es mehr als erschreckend zu sehen, wie schwierige Themen damals einfach verdrängt wurden und wie schlecht miteinander umgegangen wurde.

Die Charaktere waren mir fast alle unsympathisch, was glaube ich ein Stück weit so gewollt war, und India selbst mochte ich mal mehr, mal weniger.

Der Schreibstil ist locker und lässt sich gut lesen. Teils hatte ich das Gefühl, dass es keinen Hauptstrang in der Geschichte gab und deshalb alles nur so dahingeplätschert ist. Das Ende war mir zu dick aufgetragen und schockierend. Hingegen die letzten paar Sätze ein sehr guter Abschluss waren.

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